Eine Nacht, in der der Wald zu träumen begann

Mehr als 40 Mitglieder und Freunde des Theatervereins Wetter machten sich am Samstag auf den Weg zu den Burgfestspielen Bad Vilbel – und erlebten einen „Sommernachtstraum“, der Shakespeare mit erstaunlicher Leichtigkeit ins Heute holte.

Es gibt Theaterabende, die enden mit dem Schlussapplaus. Und es gibt solche, die noch eine Weile mitreisen. Dieser gehörte eindeutig zur zweiten Sorte.

Am Samstag, 29. August, brach der Theaterverein Wetter zu seiner diesjährigen Theaterfahrt nach Bad Vilbel auf. Mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer füllten den Bus, der von Wetter mit einem kurzen Zwischenstopp in Marburg Richtung Burgfestspiele startete. Die Stimmung ließ bereits auf der Hinfahrt wenig Zweifel daran, dass dies mehr werden sollte als ein gemeinsamer Theaterbesuch.

In Bad Vilbel angekommen, begann der Abend zunächst dort, wo sich Vorfreude besonders angenehm pflegen lässt: bei gutem Essen und einem Glas Wein oder Bier im besonderen Ambiente der historischen Burganlage. Über den Mauern lag ein spätsommerlicher Abend, vor uns Shakespeare – bessere Voraussetzungen für einen „Sommernachtstraum“ ließen sich kaum arrangieren.

Und es war ein besonderer Abend: Mit der Dernière stand zugleich die letzte Aufführung dieser Inszenierung auf dem Spielplan. Wie es bei einer letzten Vorstellung gute Theatertradition ist, hatte sich das Ensemble dabei die eine oder andere kleine Überraschung und augenzwinkernde Besonderheit erlaubt – sehr zur Freude des Publikums.

Shakespeare ohne Staub

Was anschließend auf der Bühne geschah, hatte mit musealer Klassikerpflege erfreulich wenig zu tun.

Die Inszenierung näherte sich Shakespeares Verwirrspiel um Liebe, Begehren, Eifersucht und Täuschung mit großer Lust an der Gegenwart. Moderne Kostüme, ein zeitgemäßes Bühnenbild, Musik und eindrucksvolle Lichteffekte schufen eine eigene Welt, ohne dem Stück seinen Kern zu nehmen.

Vor allem aber lebte dieser Abend von seinem Ensemble. Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler spielten mit einer bemerkenswerten Energie und Präsenz. Sie sangen, tanzten und warfen sich mit einer Körperlichkeit in ihre Rollen, die den gesamten Bühnenraum erfasste. Komik wurde nicht behauptet, sondern präzise gespielt; die poetischen Momente bekamen ihren Raum, ohne ins Süßliche zu kippen. Und bei aller Modernität blieb immer spürbar, warum dieses mehr als 400 Jahre alte Stück noch heute funktioniert.

Das Ergebnis war ein Shakespeare-Abend, der weder Ehrfurcht vor dem Klassiker verlangte noch dessen Text als bloßen Anlass für Modernisierung benutzte. Er vertraute auf die Geschichte – und erzählte sie mit den Mitteln eines heutigen Theaters.

Das Publikum dankte es am Ende mit Standing Ovations.

Wenn Theaterleute ins Theater gehen

Für einen Theaterverein hat ein solcher Besuch noch eine zweite Ebene. Man schaut anders hin. Auf Lichtwechsel und Kostüme, auf Übergänge und Musik, auf Bewegungen, Timing, Bühnenräume und darauf, wie eine Idee plötzlich einen ganzen Moment verändert.

So wurde auf der Rückfahrt nicht nur darüber gesprochen, was besonders gefallen hatte. Es reisten auch jede Menge Eindrücke und Inspirationen mit zurück nach Wetter. Denn gutes Theater macht im besten Fall nicht nur Spaß – es weckt auch die Lust, selbst wieder auszuprobieren, weiterzudenken und Neues zu wagen.

Und natürlich wurde auch einfach gefeiert.

Bei bester Stimmung und dem einen oder anderen Glas Wein klang der Abend im Bus aus, bevor die Reisegesellschaft gegen halb eins wieder Wetter erreichte. Müde vielleicht – aber ziemlich einhellig begeistert.

Mehr als nur ein Theaterbesuch

Dass mehr als 40 Menschen gemeinsam zu einer solchen Fahrt aufbrechen, ist keine Selbstverständlichkeit. Es zeigt auch, was einen Verein jenseits von Proben, Bühnenbau und Aufführungen ausmacht: gemeinsam unterwegs zu sein, Theater zu erleben, miteinander zu essen, zu lachen und am Ende eines langen Abends noch immer Gesprächsstoff zu haben.

Ein großer Dank gilt deshalb allen, die diese Theaterfahrt vorbereitet und organisiert haben. Von der Busfahrt über den Aufenthalt in Bad Vilbel bis zur Rückkehr nach Wetter lief alles reibungslos – und gerade wenn Organisation so selbstverständlich wirkt, steckt meist besonders viel Arbeit dahinter.

Was von diesem Samstag bleibt? Ein verzauberter Sommerabend, ein großartiger „Sommernachtstraum“, viele neue Eindrücke – und die ziemlich sichere Erkenntnis:

Die nächste Theaterfahrt kommt bestimmt.